
6.10.09 - Beschallungstechnik von Amptown System Company gibt im CHIO Aachen den Ton an
Vom 26. Juni bis zum 5. Juli 2009 fand in Aachen das offizielle, internationale Reitturnier der Bundesrepublik Deutschland, der CHIO (Concours Hippique International Officiel) statt. Die Aachen-Laurensberger Rennverein e.V., Veranstalter des Events, hatte im Mai 2008 die EMD (E Media Design Equestrian Entertainment) und den Hamburger Systemanbieter Amptown System Company beauftragt, das Hauptstadion des Turniers mit einer Kapazität von 40.000 Zuschauerplätzen neu zu beschallen.
Ziel war es, Ansprachen, Ansagen während der Wettbewerbe, Musikeinspielungen und Interviews mit den Turnierteilnehmern in der Einzel- und Mannschaftswertung in hervorragender und optimierter Tonqualität zu übertragen, da diese Beiträge wesentlich zur Gesamtstimmung und den Besucherzahlen der Wettbewerbe beitragen. 
Von 2004 bis 2006 wurde das Turniergelände in der Soers in Aachen gründlich für das Weltfest des Pferdesports renoviert und runderneuert. Seit 2007 besteht der CHIO Aachen aus den fünf Einzeldisziplinen Springen, Dressur, Gespannfahren, Vielseitigkeit und Voltigieren, in denen die Reiter und Pferde jeweils um Nationenpreise kämpfen. In Aachen können die Gäste, darunter viel Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Showbusiness, alle Sportstätten bequem zu Fuß erreichen und hautnah 300 Profireiter aus 26 Nationen mit 500 Pferden erleben. Für die Sportler, Zuschauer und die Medien ist der CHIO Aachen im internationalen Pferdesport das, was Wimbledon für die Tennisfans bedeutet. Über das Top-Ereignis berichten circa 500 Journalisten und Fotografen sowie 200 TV-Mitarbeiter in die ganze Welt.
Günter Alberding von der Firma EMD ist langjähriger, technischer Veranstaltungsdienstleister in Aachen und war auch diesmal wieder für die Beschallung des Dressur- und das Fahrstadion verantwortlich. Er kennt die Abläufe und die Bühnensituation aus dem Effeff und hat sich als Partner und Mitanbieter für die Beschallungskonzeption für das Hauptstadion den Systemanbieter ASC aus Hamburg ausgesucht.
Dessen Kompetenz in der Umsetzung von Großprojekten wie zum Beispiel die Beschallung bei den Olympischen Spielen in Turin und in Athen war auch für den Aachen-Laurensberger Rennverein ausschlaggebend und ein wichtiges Vertrauensvotum für die Auftragsvergabe. Das Konzept der beiden Partner für den CHIO 2009 unterschied sich gravierend von dem Beschallungskonzept vergangener Jahre. Der ALRV setzte sein Vertrauen darin, denn er legt besonderen Wert darauf, dass die Medienarbeit reibungslos funktioniert und - im ständigen Dialog mit seinen Besuchern stehend - dass die Hörqualität auf jedem Zuschauerplatz in exzellenter Qualität erfolgt. Für dieses Ziel hatte ASC eine komfortable, auf die Veranstaltung exakt abgestimmte Beschallungsanlage inklusive digitalem Signalrouting geplant, die temporär auf 10 Tage CHIO ausgerichtet war. Als Subunternehmer hat ASC die Firma Palm PA aus Langwedel verpflichtet, die als Lösungsvorschlag für das von ASC kreierte Beschallungsprinzip in diesem Fall ein umfangreiches Electro Voice Equipment für die Innenbeschallung der Tribünen beigesteuert hat und angesichts der Bedeutung des Sportevents von Bosch Communications/ EVI Audio unterstützt wurde.
ASC Projektleiter Rüdiger Aue erklärt die Vorgehensweise: "Beim CHIO ist das Hauptstadion Dreh- und Angelpunkt für die internationalen Springwettbewerbe. In der Vergangenheit hat man zugunsten der Optik und einer konzentrierten Signalübertragung zum Beispiel die Westtribüne von der Reitertribüne aus beschallt, was einen hohen Ausgangspegel verursachte und zu Delays und Echos bei den Ansagen und Interviews führte. Unsere Aufgabenstellung war, für jede Tribüne eine optimale Hörsituation zu kreieren und Gespräche in elektroakustischer Top-Qualität zu garantieren.
Alle vier Tribünenbereiche sind unterschiedlich gestaltet. Das hat uns bewogen, jede Einheit individuell zu beschallen. Wir haben zahlreiche Montagepunkte in die Vorderkanten der Tribünendächer gesetzt, um die Lautsprecher optimal für die vorderen und hinteren Sitzplätze ausrichten zu können und um so einen gleichmäßigen Schallpegel in allen Publikumsbereichen zu gewährleisten."
Die Mercedes Benz Tribüne im Norden wurde mit Electro-Voice XLD Lautsprechersystemen (2 x 8", 2 x 1" pro Arrayelement) ausgestattet, weitreichende Panasonic/Ramsa Line Arrays waren von hier aus, wie auch von der Reiter- und Aachen-Münchener-Tribüne auf das Stadionfeld gerichtet. Geflogene Ramsa Systeme AT300 an der Tribünen Dachkante deckten den vorderen Bereich der Tribüne ab. Die hinteren Sitzbereiche wurden mit 10 Ramsa AT300 Systemen versorgt, um Reflexionen von der Rückwand der Tribüne zu vermeiden. Auf diese Weise wurde das Turnierfeld so beeindruckend beschallt, dass die bei früheren CHIOs aufgrund mangelnder Sprachverständlichkeit eher zurückhaltend agierenden Reiter diesmal längere und sichtlich begeisterte Interviews gaben. ASC wurde hier sowohl dem Anspruch des Veranstalters als auch dem eigenen, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, mehr als gerecht.
Bei der Reitertribüne im Osten und der Aachener und Münchener Tribüne im Süden wurden Electro-Voice XLC Systeme (1 x 12", 2 x 6,5", 2 x 1,4" pro Arrayelement) installiert, die zwei Drittel der Publikumsfläche beschallten. Pro Array sorgten senkrecht abstrahlende horngeladene Electro-Voice Xi 2123 Lautsprecher als Downfill Lösung für die Beschallung der vorderen Bühne. Den im oberen Teil der Reitertribüne angeordneten VIP Bereich bedienten Ramsa B200 Lautsprecher. Als Delays auf der Aachen-Münchener Tribüne kamen wieder Ramsa AT200 Systeme zum Einsatz.
Die NetAachen Tribüne im Westen beinhaltete ein Soundpaket aus 14 Electro-Voice Xw15 Lautsprechersystemen, die durch passive, kompakte 2 Wege EAW JF60 Delay Lautsprecher ergänzt wurden. Alle Systeme zeichnen sich durch ein definiertes Abstrahlverhalten aus.
Rüdiger Aue ergänzt: "Für das Amping wurden mit Remote-Control-Modulen versehene Electro-Voice TG7 Endstufen eingesetzt, die die Fernsteuerung und -überwachung der Amps, aber auch der Lautsprechersysteme ermöglichen. Das war ein wichtiger Bestandteil der Konzeption, um eine einwandfreie Abnahme der temporär installierten Beschallungsanlage, die zugleich mit ELA-Funktionen ausgestattet war, seitens des TÜV zu garantieren. Die Steuerung der Endstufen wurde über den modularen und digitalen Electro-Voice NetMax N8000 DSP-Controller mit 32 Ein- und Ausgängen realisiert.
In den freien Tribünenübergängen haben wir horngeladenene Ramsa P164 und P194 Lautsprechersysteme verbaut. Auf diese Weise trat eine genau auf die Tribünen und den Turnierplatz ausgerichtete, definierte Beschallung in Aktion, die elektroakustisch autark arbeitete und daher Probleme wie Pegelverlust, unerwünschte Echos und ein fehlerhaftes Setzen von Delay Zeiten gar nicht erst entstehen lies. Darüber hinaus wurden hinter den Tribünen, auf den Abreitplätzen, im Cateringbereich und im CHIO Village 100 V-ELA Lautsprechersysteme für Durchsage- und Alarmierungszwecke installiert, die zusammen mit der PA das Evakuierungssystem bilden und seitens des TÜV bei der Abnahme mit einem "Hervorragend" bewertet wurden."
Die Signalübermittlung für alle Technikräume in den Tribünen wurde im Richterturm geroutet und erfolgte über ein digitales Multicore-System REAC von RSS. Von dort aus gingen vier bis sechs Audiokanäle zu den Tribünen, von der Westbühne kamen zwei Signalstrecken zurück. Letztere waren für die Sicherheit (Polizei, Feuerwehr) reserviert und hatten Priorität vor dem Programm. Eine digitale Yamaha M7CL steuerte die Anspielwege für Hauptbeschallung, Fills etc. Seitens EMD erfolgte in Abstimmung auf den Wettbewerb jeweils ein Sprach- und Musikmix aus Ansagen, Interviews, Kommentaren und Zuspielungen in Form eines fertigen Signals.
Fotos: ALRV/Strauch.