
3.06.10 - Vom Musical Macher zum Systemhaus - Rückblick auf 20 Jahre Theater und mehr...
Amptown System Company feiert im August sein 20jähriges Jubiläum. Grund genug für die BTR Redaktion, einmal genau hinter die Kulissen des Hamburger Systemhauses zu blicken. Iris Abel wollte von den Geschäftsführern Peter Matthes und Ulrich Müller wissen, unter welchen Startbedingungen ASC 1990 gegründet wurde, wie sich das Unternehmen in den letzten zwei Jahrzehnten verändert hat und was das ASC-Team im täglichen Geschäft immer wieder aufs Neue antreibt:

BTR: Wie waren die Anfänge von ASC? Was haben Sie persönlich an Erfahrungen mitgebracht, was mussten Sie dazu lernen?
Peter Matthes: Unser Kernteam war in den 70er und 80er Jahren im Rock´n Roll Business etabliert und live on stage dabei. Diese Leidenschaft für Musik kombiniert mit technischem Know-How hat uns als junge Unternehmer geprägt. Als der Boom der Musicals begann, haben wir uns zugetraut, das Musical CATS in Hamburg mit professioneller Technik für die Bühne auszustatten. Wir haben schnell gemerkt, dass wir diesen Kunden mit besonderer Intensität betreuen müssen, denn ähnlich wie im Rock´n Roll Segment wurden kurzfristig hohe Investitionen getätigt, die längere Laufzeiten erforderten. Das Musicalgeschäft hatte für uns eine Menge Potential. Im ersten Schritt haben wir Audiosysteme kreiert, eingebaut, gewartet und diesen Bereich als eine Art fest installierte Tour angesehen. Im August 1990 entstand dank dieses Neugeschäfts Amptown Sound & Communication. Heute heißt ASC aufgrund systemintegrativer Projekte Amptown System Company. Wir haben uns dann intensiv in alle Aspekte der Bühnentechnik eingearbeitet und Lösungen für Beschallungs-, Licht- und Bühnenanlagen sowie für die entsprechende Überwachungs- und Kommunikationstechnik umgesetzt.
Uli Müller: Auf CATS folgte Starlight Express, dem Kritiker nur eine kurze Spielzeit prognostizierten. Mit 22 Jahren Bühnenpräsenz in Deutschland gehört es heute zu den erfolgreichsten Veranstaltungen. Die Theaterdirektionen wurden schnell darauf aufmerksam, dass sich Musicals bei den Zuschauern steigender Beliebtheit erfreuten. Daher entwickelte sich ein technischer Boom auf den Bühnen. Weitere Projekte wie z.B. Phantom der Oper, Tanz der Vampire, König der Löwen oder Der Schuh des Manitu kamen hinzu. Eigene Musicalhäuser entstanden, um Story, Bühnenbild und Performance optimal zu präsentieren. Wir hatten uns im Markt einen hervorragenden Ruf erarbeitet, waren hungrig und kannten die richtigen Leute, so dass wir die neue Firma ASC schnell in der Welt der Bühnen und Theater etablieren konnten. Es blieb nicht allein bei Musicalprojekten, größere Aufgaben folgten. So haben wir u.a. das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg technisch ausgestattet und die Beschallungsanlage im FriedrichstadtPalast in Berlin erneuert. "Schwimmende" Bühnen vervollständigen diesen Bereich -wir liefern die technischen Konzeptlösungen für die AIDA Kreuzfahrtschiffe, auf denen Live-Entertainment in alle Unterhaltungssparten eine wichtige Rolle spielen.
Peter Matthes: Theater und Bühnen sind nur ein Standbein von ASC. Wir realisieren Konzepte, in denen anspruchsvolle und vernetzte Medientechnik gefragt ist, wie z.B. im Congress Centrum Hamburg, ein Kunde der ersten Stunde. Image fördernde Projekte wie die Bertelsmann- und Siemens-Pavillons auf der Expo 2000 in Hannover folgten. Mit integrierten Systemlösungen für Konferenz- und Tagungszentren von Corporate-Kunden wie Olsen, EDEKA, Hawesko und Salzgitter AG haben wir uns einen sehr guten Ruf als Systemhaus aufgebaut. Das hatte natürlich Einfluss auf unsere internen Strukturen. Bestand das erste Team noch ausschließlich aus Beschallungsspezialisten, kamen plötzlich neue Kollegen aus der Bilddarstellung, der Video- und Kommunikationstechnik hinzu. ASC Mitarbeiter sind Entwickler, Tüftler und Techniker, gleichzeitig auch solide Handwerker, Ingenieure und Kaufleute. Mit über 50 Mitarbeitern betreuen wir heute vom Vertrieb bis zum Handwerk inklusive Administration, Service und Mechanik alles aus einer Hand. Hinzu kommen unsere Schwesterfirmen Amptown Lichttechnik und Amptown Cases, die verwandte Marktsegmente abdecken.
Uli Müller: Der Ritterschlag im Veranstaltungsbereich waren die Olympischen Spiele in Athen 2004 und Turin 2006. Mit unserem Soundkonzept für 55 Wettkampfstätten, für das olympische Dorf und die Live-Übertragung für TV-Zuschauer und Radio Hörer konnten wir uns gegen die weltweite Konkurrenz durchsetzen und standen auf einmal im Zentrum des öffentlichen Interesses.
Peter Matthes: "Das hat uns neue Auftraggeber zugeführt und auch sportlich zu schönen Folgeprojekten für Stadien und Wettkämpfe geführt.
Uli Müller: Nicht nur sportlich, auch wissenschaftlich - ASC stattet Hochschulen mit professioneller Medientechnik aus, so dass Lehrmaterial verständlich und anschaulich dargestellt werden kann, egal ob man persönlich in der Vorlesung sitzt oder sich über das Internet in die Vorlesung einloggen kann.
BTR: Was motiviert Sie in Ihrem Tagesgeschäft? Gibt es neue Herausforderungen?
Peter Matthes: Als Unternehmer benötigen wir jeden Tag Kreativität und Phantasie, um mit modernen, technischen Komponenten die Ideen und Pläne unserer Auftraggeber und Partner Wirklichkeit werden zu lassen. Diese Ideen sind oft so ausgefallen und so anspruchsvoll, dass deren Erfüllung das Know-How unserer Spezialisten schon manchmal ganz gehörig auf die Probe stellt. Unternehmerische Kreativität gepaart mit einem vernünftigen Sinn, was machbar ist, und kaufmännisches Geschick sind das Erfolgrezept von ASC!
Uli Müller: Neben Routine und Erfahrung werden auch im Tagesgeschäft immer wieder neue technische Grenzen ausgelotet, was die Arbeit spannend macht. Ich prognostiziere hier der Netzwerktechnik eine wachsende Bedeutung. Sie führt in der Medientechnik zu Prozessoptimierung und steuert die Disziplinen Audio und Video. Unsere Kunden erwarten von uns eine Komplettdienstleistung. Wir machen uns die Anforderungen unserer Kunden zu Eigen und liefern intelligente Lösungen mit System. Für uns hat sich der Markt vergrößert, weil wir uns als Serviceanbieter breiter aufgestellt haben. Seit 10 Jahren spielt ASC parallel zum Kerngeschäft in einer Liga, in der Aufträge zum Teil auch über europaweite Ausschreibungen erfolgen. Um Wettbewerbstransparenz zu gewährleisten, sind Ausschreibungen für Kunden im öffentlichen Bereich Pflicht. Dort sind die Ansprüche hinsichtlich der technischen Ausstattung stark gewachsen. Im Theater reden wir von Audio- und Videovernetzung, Glasfaserverkablung, Inspiziententechnik und Verkettung von Ton, Licht und Projektion. Ein Theater ist heute ein multimediales Veranstaltungszentrum, es hat höhere Anforderungen an ein Systemhaus und die Investitionen sind deutlich gestiegen. In Bezug auf Preispolitik und Wettbewerb ist der Markt aggressiver geworden. ASC bringt hier das notwendige betriebswirtschaftliche Fingerspitzengefühl mit, um auf diese Entwicklung eingehen zu können.
Peter Matthes: Darüber hinaus konnten wir uns mit unseren Bühnenerfahrungen im neuen Geschäftsfeld Museen und Ausstellungen erfolgreich etablieren. Die dort repräsentierten Ausstellungsinhalte vermitteln wir kreativ und technisch unkompliziert gemäß unserem Grundsatz "Sehen, Hören und Erleben". Für die systemintegrative Leistung im Klimahaus 8°Ost in Bremerhaven, die Umsetzung und Bewältigung komplexer Kommunikationsaufgaben, haben wir sogar einen SINUS Award auf der Prolight+Sound 2010 in Frankfurt erhalten.
BTR: Was bedeutet Ihnen der Standort Hamburg? Gibt es lokale oder räumliche Veränderungen?
Peter Matthes: Hamburg ist traditioneller Firmensitz und steht für Weltoffenheit und Dynamik. Wir erreichen eine direkte Kundenzielgruppe weit bis nach Bremen, Kiel, Hannover und Berlin. So ergibt sich eine natürliche Konzentration interessanter Projekte mit national und weltweit agierenden Konzernen. Wir haben unsere führende Position als Systemhaus soweit ausbauen können, dass wir bei den wichtigsten Ausschreibungen in die enge Auswahl kommen. In Berlin war die Auftragsentwicklung im Zuge des Umzugs von Bundesregierung und Ministerien so positiv, dass wir dort 2001 eine Dependance gegründet haben. Mittlerweile ist das Berliner Unternehmen so stark gewachsen, dass unser Team dort Ende März in größere, komfortablere Räumlichkeiten nach Moabit gezogen ist.
Uli Müller: Auch die ASC Zentrale hat sich stark verändert. 2009 haben wir unsere Firma umgebaut, die Räumlichkeiten den Nutzungsanforderungen angepasst und eine Politik der kurzen Wege zwischen Projektleitung und Team erreicht. Unsere Aktivitäten sind eher projekt- als standortbezogen. Überall dort, wo Technik Abläufe vereinfacht bzw. verbessern kann und auf Seiten des Kunden eine intelligente praktische Umsetzung gefragt ist, kann ASC entsprechende Lösungen liefern.
BTR: Was waren wichtige technische Änderungen für Sie in den vergangenen Jahren? Gibt es noch weitere einflussreiche Veränderungen?
Uli Müller: Hier wäre der Einzug der Digitaltechnik in die Audiowelt zu nennen und sämtliche Entwicklungen in der Bilddarstellung, vor allem in unseren kulturellen Projekten. Dies bedingt eine permanente, intensive Auseinandersetzung mit innovativer Technik, neuen Produkten sowie das zusätzliche Einstellen von Fachleuten und fortlaufende Schulungen.
Peter Matthes: Darüber hinaus mussten wir uns so aufstellen, dass wir mehrere Großprojekte parallel stemmen können. Hier ist ein gut funktionierendes Team mit Power gefragt, gleichzeitig haben wir uns auch organisatorisch verbessert. Die Menschen bei ASC haben sich immer mutig den ständig wachsenden Herausforderungen gestellt und das unmöglich Erscheinende möglich gemacht.